| Ambulante Rehabilitation SuchtFachambulanzNach Abschluß der stationär durchzuführenden Phasen der Entwöhnungsheilbehandlung werden unsere Absolventen in prognosebessernder Abkehr vom Herkunftsort vorzugsweise in der Region wohnhaft, um sich im Residualschutz milieukonstant betreuten Wohnens in der sozialen Alltagswirklichkeit und im Erwerbsleben zu erproben. Um mit steigender Flexibilisierung der stationären Leistungserbringung verbleibende Rehabilitationsziele erreichbar zu halten, wurde die ambulante Nachbehandlung gemäß der Empfehlungsvereinbarung 'Ambulante Rehabilitation Sucht' des Verbands der Rentenversicherungsträger als Antragsleistung zur Rehabilitation ausgestaltet, zu deren Erbringung die Fachambulanz Schlüchtern beauftragt werden kann.ZielgruppeUnter dem Leitmotiv beziehungs- und milieukonstanter Entwicklungsförderung wird die Fachambulanz in erster Linie für Patienten tätig, welche die stationäre Phase abschließen, um unter ambulanter Fortführung der Behandlung ihre Belastbarkeit im äußeren Alltag zu erproben, im weiteren für Ehemalige, deren Erwerbsfähigkeit nach einstweilen erreichter Eingliederung in Arbeit und Gesellschaft erneut gefährdet ist. Absolventen anderer Einrichtungen oder externen Patienten in frühen Abhängigkeitsstadien steht die Fachambulanz im Rahmen ihrer Leistungsgrenzen offen.BeratungZunächst wird auf Anruf informiert und beraten. Soweit es sich um Fragen der Prävention, Anliegen von Angehörigen oder niedrigschwellige Hilfsersuchen handelt, wird an die Drogenberatungsstellen Fulda oder Gelnhausen/Schlüchtern vermittelt. Absolventen unserer Therapie wird ein Gesprächstermin angeboten. Externe werden zu einem diagnostischen Termin gebeten.DiagnostikDie Diagnostik umfaßt wie im stationären Verfahren die Erhebungsebenen Suchtverhalten, soziale Situation, Psychodynamik, Begleiterkrankungen (Aßfalg und Rothenbacher 1987). Bei bekannten Patienten beschränkt sie sich in der Regel auf den Zeitraum der Zwischenanamnese.Die Diagnose des Suchtverhaltens erhellt Art, Intensität, Dauer und Folgen des Konsums von Alkohol, Medikamenten, Drogen anhand der Eigenangaben und Befunde bei eingehender Exploration. Ziel ist Klärung der Frage, ob Abhängigkeit vorliegt.Die Diagnose der sozialen Situation erfaßt die aktuelle sozio-ökonomische und justizielle Lage vor dem Hintergrund des sozialen Werdegangs. Im Vordergrund steht die Erhellung der Wohn-, Erwerbs-, Beziehungs- und familialen Situation. Ziel ist eine begründete Einschätzung, inwieweit soziale Verankerung, stützende Beschäftigungsverhältnisse, haltgebende Bezugssysteme vorliegen.Die Diagnose der Psychodynamik charakterisiert das Persönlichkeitsbild mittels deskriptiver Aussagen zum Entwicklungsniveau anhand der primären Beziehungserfahrungen und ausgebildeten Ich-Funktionen. Ziel ist eine differenzierende Beschreibung des Störungsmusters, die unter dem Gesichtspunkt der Entwicklungspathologie eine Einschätzung der Grundstruktur ermöglicht.Die Diagnose psychischer und somatischer Begleiterkrankungen resultiert aus der Exploration und körperlichen Untersuchung durch den Arzt. Ziel ist Ausschluß oder Aktivitäteinschätzung vorwiegend eigendynamischer psychotischer Störungen, toxisch-infektiöser Begleiterkrankungen, suchtunabhängiger Organ- und Systemstörungen.IndikationenDie Indikationsstellung erfolgt nach Maßgabe der Diagnose unter Berücksichtigung des Angebots, der Dringlichkeit und der Akzeptanz geeigneter Behandlungsmaßnahmen. Ambulante Leistungen sind in erster Linie vorgesehen für fortgeschrittene Teilnehmer an der Entwöhnungsbehandlung im Friedrich-Daumer-Haus, die sich zur zeitextendierten Netzwerkbindung entschlossen und einen Wohnplatz in Aussicht haben, sofern die weitere Behandlung ambulant erfolgen und im Einzelfall die stationäre Maßnahme dadurch früher regulär beendet werden kann. Sie stehen des weiteren bereit für Patienten, die in der Region ansässig oder dorthin zurückgekehrt, integriert und erwerbstätig sind bzw. qualifizierende Maßnahmen zur Eingliederung in das Erwerbsleben aufgenommen haben, sofern zur Krisenbewältigung oder Rezidivprophylaxe suchttherapeutische Hilfe erforderlich ist und stabilisierungswirksam umgesetzt werden kann. Bei Abhängigen mit geringfügigen Defiziten, belastbaren sozialen Bindungen und kompensationsfähigen Aktualkonflikten mag der Anschluß an eine Selbsthilfegruppe ausreichen, um Minderung der Erwerbsfähigkeit abzuwenden. In weniger günstig gelagerten oder externen Fällen mit vergleichbaren strukturellen und sozialen Gegebenheiten im Vorfeld oder nach Abbruch stationärer Maßnahmen können Leistungen der Fachambulanz indiziert sein, fortschreitender Erkrankung entgegenzuwirken. Abhängige mit schweren Persönlichkeitsstörungen oder Begleiterkrankungen im Stadium ausgeprägter Depravation, für welche stationäre Maßnahmen erforderlich sind, werden an die zuständigen Beratungs- und medizinischen Stellen vermittelt.MotivierungDie Vorbereitung ambulanter Leistungen ist Bestandteil der Motivationsklärung. Dabei geht es um Erüben verbindlicher Terminwahrnehmung und Stärkung des Abstinenzwillens, ggf. im Wege offener Aufnahmegruppen, sowie um Antragstellung und Mitwirkung bei der Abstimmung des Therapieplans, welcher Form, Frequenz, Zielsetzung und Grenzen der zunächst auf 6 Monate konzipierten Behandlung benennt. Ziel ist Verzicht auf Suchtmittel, erforderlichenfalls durch eine stationäre Entzugsbehandlung. Die Motivierung ist abgeschlossen, wenn einstweilige Abstinenz erreicht ist und darauf aufbauende Absprachen eingehalten werden.BehandlungDie Behandlung wird in Form therapeutischer Einzelgespräche eingeleitet, deren Folge in den Grenzen von zweimal wöchentlich bis monatlich vereinbart werden kann. In Abwägung der aktuellen Einflüsse des systemischen Zusammenhangs werden Bezugspersonen in die Behandlung einbezogen. In besonders indizierten Fällen werden auch nonverbale Therapieverfahren eingesetzt. Die Termine werden mit den Arbeitszeiten der Beteiligten abgestimmt. Bei bestimmten Gegebenheiten werden Doppelstunden eingeräumt. Sobald es die individuelle Problemlage erlaubt, wird zusätzlich bis ausschließlich zu therapeutischer Gruppenarbeit in gemischten Kleingruppen übergegangen, die ab etwa 7 Personen geschlossen werden und in der Regel einmal wöchentlich an festen werktäglichen Abendterminen stattfinden. Dabei kommen neben gesprächstherapeutischer Einzelarbeit in der Gruppe kreative Medien sowie nonverbale leib- und bewegungstherapeutische Übungsverfahren zur Anwendung. Im Bedarfsfall werden nach Möglichkeit separate Gruppen für Frauen und Männer sowie offene Gruppen für Kunst- oder Bewegungstherapie eingerichtet. Mit größeren Gruppen können Doppelsitzungen vereinbart werden. Bei Akutkrisen können außerterminliche Interventionen bis hin zu Entgiftungs-Auszeiten oder kurzstationären Auffang- und Auffrischungsmaßnahmen in der Fachklinik durchgeführt werden. Die therapeutischen Maßnahmen werden patientenbezogen dokumentiert und nach etwa 12 Behandlungseinheiten in der Fallbesprechung der beteiligten Mitarbeiter vorgestellt. Dabei wird der Behandlungsplan überprüft und prozessgeleitet fortgeschrieben. Bei wiederholter Rückfälligkeit oder Fernbleiben über 4 Wochen gilt die Maßnahme als abgebrochen.LeistungserbringerIn der Fachambulanz sind auf dem Gebiet der Suchtkrankenbehandlung qualifizierte Mitarbeiter tätig, die engagiert und verantwortlich in der Heil- und Lebensstätte Friedrich Daumer mitwirken. Hierzu zählen zwei Klinische PsychologInnen, ein Sozialtherapeut Sucht, eine Sozialpädagogin, eine Kunsttherapeutin, ein Arzt. Sie nehmen an der externen Supervision teil und verfügen über langjährige Erfahrung in der Rehabilitationsarbeit mit Drogenabhängigen.
|