Ziel der Arbeitstherapie ist die Entwicklung und Förderung von Fertigkeiten und Fähigkeiten, sowie die Entwicklung einer realistischen und angemessenen Arbeitshaltung. Erfolgserlebnisse unterstützen die Verarbeitung von negativen Erfahrungen im Arbeits- und Berufsleben. Durch Arbeit verwandelt der Mensch die Welt. Arbeit ist ein wesentliches Moment seiner Selbstverwirklichung und zugleich Dienst am anderen Menschen. Für den Einzelnen ist es ein wesentliches und wichtiges Erlebnis, in einen Arbeitsprozess einbezogen zu sein und Wertschätzung zu erfahren. Die besondere Bedeutung der „Arbeit in der Therapie“ in       unserem therapeutischen Ansatz sehen wir darin, die PatientInnen bei einem inneren Prozess der persönlichen Stabilisierung zu unterstützen, in dessen Verlauf sie lernen:

-        eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln, in der die eigene Suchterkrankung als biographischen Lebensabschnitt integriert und produktiv verarbeitet ist,

 

-        ihr tatsächliches Handeln immer mehr aus bewussten Motiven und Impulsen zu vollziehen und es in Beziehung zu anderen Menschen zu stellen, (Selbständigkeit,      eigenverantwortliches Leben),

-        mit problematischen und kritischen Situationen und Rückfallgefahren angemessen umzugehen,

-        mit anderen Menschen zusammen zu leben und zu arbeiten, auf der Grundlage gegenseitiger Achtung, Anerkennung, Wertschätzung, und Akzeptanz,

-        zu erkennen, dass sie zusammen mit anderen Aufgaben bewältigen können, die den Einzelnen überfordern würden und

-        entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten sich einen adäquaten Platz in der Gesellschaft zu schaffen.

 Kennzeichen der Arbeit in der Therapie in unserer Einrichtung ist ihr ausgeprägter Bezug zur Realität. Alle Arbeitsbereiche erfüllen eine wichtige Aufgabe und haben eine Bedeutung für die therapeutische Gemeinschaft. Die Patienten erleben ihre Tätigkeit als eine wirkliche Notwendigkeit, sie erfahren das Gefühl, gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles zu tun und Verantwortung zu haben.

Bei der Arbeit kommt es oft zu verdienten Erfolgserlebnissen; die PatientInnen erleben, dass Wachstum möglich ist, sie lernfähig sind und unter Anleitung auch Aufgaben meistern können, die ihnen zuvor große Angst bereiteten. Sie erleben, dass Arbeit mehr sein kann als eine lästige Pflichtübung, bei der es nur darum geht, den Lebensunterhalt zu sichern – Arbeit kann Spaß machen und Befriedigung verleihen. Der direkte Bezug zwischen Arbeit und Leben (Existenzsicherung) wird in unserem arbeitstherapeutischen Ansatz wieder prägnant und für die Patienten spürbar und nachvollziehbar (z.B. wird das Brot gegessen, das bei uns gebacken wird, das Gemüse zubereitet, was aus dem Garten kommt und der Käse aus dem Arbeitsbereich Käserei verbraucht usw.).


Die Zuordnung der PatientInnen zu den verschiedenen Arbeitsbereichen erfolgt auf der Grundlage der prozessualen Diagnostik und des erarbeiteten Behandlungsplanes. Die Anforderungen und Qualitäten der Arbeitsbereiche sowie die Lernmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven die diese den einzelnen PatientInnen bieten, werden jeweils geprüft und abgeglichen, um optimale Zuordnungen treffen zu können. Der Arbeit kommt im gesamten Therapieverlauf eine stark stabilisierende Funktion zu. Durch den täglich wiederkehrenden Rhythmus entsteht eine förderliche Kontinuität und ein realitätsbezogenes Zeitgefühl; durch die körperliche Betätigung entsteht ein gesundes Körpererleben, welches sich positiv auf viele Bereiche auswirkt, wie z.B. auf den Appetit, auf das Schlafverhalten etc.


In allen Arbeitsbereichen findet täglich zu Beginn eine Vorbesprechung sowie am Ende eine Nachbesprechung und am Freitag ein Rückblick auf die gesamte Arbeitswoche statt.

Wir haben folgende Arbeitsbereiche:

Verschiedene Arbeitsbereiche mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Aufgabenstellungen wurden unter therapeutisch-pädagogischen Gesichtspunkten in den vergangenen Jahren entwickelt. Neben den nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten arbeitenden Werkstätten, in denen Klienten der Nachsorge eine Berufsausbildung (Schwerpunkt: Berufsausbildung und berufliche Integration) erhalten können, haben wir eigene Funktionsbereich in der Fachklinik „Daumer Haus“. Mit unserem Bauernhof und der Gärtnerei verfügen wir über verschiedene, realitätsbezogene und lebensnahe Arbeitsbereiche die ein qualitativ hochwertiges Lernangebot und Lernfeld darstellen.

 Im Folgenden werden die verschiedenen Arbeitsbereiche vorgestellt:

-        Gartenbau

Auf unserem Gelände haben wir eine Gemüsegärtnerei aufgebaut deren Erzeugnisse für die Selbstversorgung genutzt werden. Neben der notwendigen Tätigkeit werden wichtige Kenntnisse des Gemüseanbaus vermittelt.

             

-        Landschaftsgestaltung

Wir haben eine Arbeitsgruppe, die sich unter Anleitung eines Fachmannes der Pflege und der Gestaltung unseres Geländes widmet. Sie legt neue Pflanzungen, Brunnenanlagen oder Biotope u. ä. an, darüber hinaus ist sie für die Pflege der bestehenden Anlagen verantwortlich. Die Patienten, die hier arbeiten, werden intensiv in die Hintergründe dieser Tätigkeit eingeführt und arbeiten ihrem Entwicklungsstand entsprechend selbständig.

 -        Renovierung

Unsere Renovierungsgruppe führt die Umbauten und Instandsetzungsarbeiten an unseren Gebäuden durch. Unter Anleitung und Begleitung von Mitarbeitern mit einem handwerklichen Grundberuf können die Patienten bei den zu bewältigenden Arbeiten mitwirken und diese auch mitgestalten. Ziel ist es, in sich abgeschlossene Projekte (Planungsphase, Durchführungsphase, Reflektionsphase) durchzuführen, für die eine Patientengruppe die Verantwortung übertragen bekommt.

-        Hausküche

Die Einrichtung verfügt über eine Zentralküche, die für die therapeutische Gemeinschaft sowie die Mahlzeiten zubereitet. Darüber hinaus versuchen wir vornehmlich biologisch-dynamisch oder kontrolliert biologisch angebaute Produkte zu verwerten. Es handelt sich hierbei um eine ausgewogene überwiegend vegetarische Vollwertkost. Die Küche wird von einer Hauswirtschafterin geführt, welche eine Patientengruppe beim Kochen anleitet. Jeder Patient übernimmt im Laufe der Zeit der Reihe nach möglichst jeden einzelnen Verantwortungsbereich, also die Zubereitung der Suppen, der Salate, der Hauptgerichte usw. Der Arbeitsbereich Hausküche stellt besonderes hohe Anforderungen an die PatientInnen, da sie in einem genau vorgegebenem Zeitraum eine große Anzahl von Menschen (30 bis 40 Personen) verköstigen müssen und das Ergebnis jeden Mittag im Speisesaal, wo auch das Küchenteam mitisst, zu spüren ist. Neben dem Erlernen der Zubereitung von ausgewogenen Vollwertmahlzeiten bietet dieser Arbeitsbereich ein bedeutendes Lernfeld für Patienten. Hier können sie lernen, im Team zu arbeiten und die Tätigkeiten, die sie ausführen wollen, zuvor genau zu planen und vorzubereiten. Bei der Zuordnung der Patienten zu diesem Arbeitsbereich sind die hohen Leistungsanforderungen dieses Arbeitsbereiches zu berücksichtigen.

-        Hauswirtschaft

Dieser Arbeitsbereich widmet sich allen Reinigungs- und Pflegearbeiten im Haus; hinzu kommen noch das dekorative Ausgestalten der Räume durch Gestecke, Blumensträuße etc. sowie das Waschen der Wäsche. Die Patienten begegnen dabei vor allem Aufgaben, die sich täglich wiederholen und denen nur schwer große Erfolgserlebnisse abzugewinnen sind, zumal die meisten Menschen diese „klassische“ Tätigkeit der Hausfrauen kaum beachten und würdigen. Gerade für Männer, die sich über ihre Körperkraft und die sichtbaren Produkte ihrer Taten definieren, bietet dieser Arbeitsbereich ein geeignetes Übungsfeld, neue Erfahrungen zu machen und bisherige Bewertungsmuster und Interpretationsschemata in Frage zu stellen.

-        Holzwerkstatt

Die Holzwerkstatt ermöglicht unseren Patienten Erfahrung mit dem sensorisch ansprechenden Werkstoff Holz zu machen. Im Vordergrund steht der individuelle Möbelbau für den Bedarf der Einrichtung mit biologischer Oberflächenbearbeitung sowie die Pflege und Aufarbeitung des Holzmöbelbestandes.