
Die Eingangssituation der Patienten erfordert eine Motivationsabklärung, bzw. -findung im Sinne einer therapeutischen und umfassenden Um-orientierung, so wie es für den erfolgreichen Verlauf einer Drogentherapie notwendig ist. Der Patient soll durch geeignete psychosoziale Maßnahmen eine Bewusstwerdung seines Ist-Zustandes erreichen, mit dem er sich in der Therapie und in der Gruppenarbeit auseinandersetzt. Aus der Frage "Wo stehe ich" soll die Frage "Wohin will ich" und letztlich eine Entscheidung über Verbleib oder aber dem Weggang aus der Fachklinik „Daumer Haus“ entstehen. Dem Patienten sollte im Ansatz klar werden, dass sein Vorhaben, zukünftig drogenfrei leben zu wollen, eine Umorientierung seiner bisherigen Lebensinhalte und Strukturen beinhalten wird. Intensivtherapeutische Phase ist mit einer Dauer von 3-6 Monaten die eigentliche Behandlungs- und Aufarbeitungsphase für die individuelle Suchtproblematik und die mit ihr verbundenen Probleme und Persönlichkeitsstörungen. Das breitgefächerte Therapieangebot (z.B. psychotherapeutisch, medizinisch, künstlerisch), teils in Gruppen, teils in Einzelarbeit, soll den Patienten eine vertiefte Selbsterfahrung und eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Biographie, Lebenssituation und ihrem Abhängigkeitsverhältnis ermöglichen. Darüber hinaus sollen diese therapeutischen Maßnahmen klärend, heilend und ausgleichend auf das Handeln, Fühlen und Denken wirken.
Ziel ist die Gesundung des durch die Drogensucht geschädigten Menschen, die wachsende Verarbeitung seiner Persönlichkeitsstörungen. Körperliche und seelische Gesundheit, die Überwindung des Suchtverhaltens und eine neuerworbene Lebens- und Arbeitsmotivation sollen angestrebt, in Teilzielen verwirklicht und wenn irgend möglich, vollständig erreicht werden.
Die in den Therapiebereichen schrittweise gewonnene Selbsterkenntnis und Selbstregulation muss zu einer konkreten Umsetzung im sozialen Leben führen: in der Gruppe, im individuellen Arbeitsbereich, in der Gemeinschaft der Einrichtung und letztlich in der menschlichen Gesellschaft und Kultur. Durch das Erwachen des Interesses für den anderen Menschen und an der Welt, durch Einüben von Selbstverantwortlichkeit in der Übernahme von konkreten Verantwortlichkeiten im Alltag, wird schrittweise die durch die Drogenabhängigkeit eingeschränkte und gestörte Persönlichkeitsreifung, das Erwachsenwerden schrittweise nachgeholt und eine neue konstruktive Entwicklungsdynamik in Gang gesetzt.
Das zu Therapiebeginn meist noch eher unbestimmte Vorhaben, die Zukunft drogenfrei zu gestalten, sollte am Ende der intensiv-therapeutischen Phase zur festen Willensentscheidung geworden sein. Den volitiven Aspekten kommt in der Psychotherapie und Sozialtherapie deshalb in dieser Phase besondere Bedeutung zu.
Es sei noch einmal betont, dass dieses Ziel
letztlich vor allem dadurch erreicht werden kann, dass der Einzelne sein
biographisches Gewordensein verstehen lernt, seine Psychodynamik erfährt und
regulieren lernt, seine Verhaltensweisen erfasst und zu steuern lernt und dass
er zu einer persönlichen Sinnfindung seines Lebens kommt. Lernen wird also als
ein wesentliches therapeutisches Moment betrachtet.
Die intensiv-therapeutische Phase hat in der
Regel eine Dauer von ca. 3-6 Monaten. Der Wechsel in die Adaptionsphase, muss
von dem Patienten gewollt sein und von den Mitarbeitern positiv beurteilt
werden
Gestaltung und Ablauf:
Der Tagesablauf dieser Therapiephase ist verbindlich geregelt, es gibt feste Arbeitszeiten, feste Therapiezeiten (Gruppenanwendungen, Einzelanwendungen, Gespräche) und einen gestalteten sowie einen offenen Freizeitbereich.
Die Patienten dieser Therapiephase beginnen zurzeit den Tag am Morgen um ca. 7.00 Uhr mit einer gemeinsamen Übung (Gymnastik oder Musik oder Spiel etc.).
Danach wird gemeinsam gefrühstückt, Arbeitsbeginn ist in der Regel um 8.00 Uhr. Der Vormittag ist von der Arbeit bestimmt, die Patienten arbeiten in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen bis ca. 12.00 Uhr. Am Vormittag finden für einzelne Patienten auch therapeutische Gespräche, Einzelanwendungen und Arzttermine statt.
Um 12.30 Uhr findet das gemeinsame Mittagessen statt, im Anschluss daran ist die Mittagspause.
Ab 14.30
Uhr finden die verschiedenen Kunsttherapien, Einzelanwendungen und Einzelgespräche
statt. Einige Patienten können aufgrund ihrer besonderen Situation auch nachmittags
arbeiten. Im Anschluss an die Kurse, die ca. 90
bis 120 Minuten dauern finden bewegungstherapeutische
und sportliche Angebote statt. An drei Nachmittagen finden anstelle der
sportlichen Angebote sozialtherapeutische oder psychotherapeutische
Gruppengespräche in den Bezugsgruppen statt, die in der Regel eine Dauer von 90 bis 120 Minuten
haben.
Nach dem Abendessen findet die regelhafte
Tagesrückschau statt, die auf Erleben und Empfinden gerichtet ist. Die
Patienten schildern, was sie erlebt haben und welche Empfindungen sie im Laufe
des Tages hatten, wie also bestimmte Begebenheiten auf sie gewirkt haben, wo
sie Verletzung oder Freude empfunden haben usw. Tages- und auch Wochenrückschau
fördern das Bewusstsein für das eigene Erleben und Handeln, regen die Erinnerungs-
und Interpretationsarbeit an und geben Hilfen, einem nachsinnenden,
reflektierenden, besonnenen Lebensstil einzuüben.
Die Abende stehen der gestalteten Freizeit
zur Verfügung, sofern nicht themenzentrierte Gruppengespräche anberaumt werden.
Mit gestalteter Freizeit ist gemeint, dass die Patienten nicht irgendetwas tun,
sondern in Gruppen mit einer gewissen Vorplanung und Begleitung durch Mitarbeiter
Freizeitprojekte durchführen. Dies kann z.B. vom Theaterbesuch bis
Marionettenbau recht unterschiedliche Gebiete umfassen, und ist abhängig von
den Impulsen der Patienten und der Anregungen der Mitarbeiter.
Der Tag wird gegen ca. 22.00 Uhr gemeinsam abgeschlossen. Oft wird durch einen Patienten eine Geschichte, Erzählung oder ein Märchen vorgelesen, sodass für die Nacht eine entspannte Atmosphäre entsteht.
Der Ablauf des Wochenendes gestaltet sich anders. Am Samstag wird um 8.30 Uhr gefrüh-stückt, im Anschluss beginnt um 9.30 Uhr der gemeinsame Hausputz, alle Patienten versammeln sich und besprechen, wer welchen Bereich im Haus putzt. Gegen 11.00 Uhr wird diese Arbeit gemeinsam abgeschlossen. Im Anschluss wird der Einkaufsbedarf der Patienten durch Einkauf im nächstgelegenen Ort organisiert.
Das Mittagessen wird am Samstag erst um 13.00 Uhr eingenommen.
Der weitere Tagesablauf orientiert sich an den geplanten Freizeitaktivitäten. Obligatorisch ist noch die Wochenrückschau, hier schildern die Patienten in der Gruppe, wie die Woche für sie war. Dadurch, dass die Menschen in verschiedenen Arbeitsbereichen und Kursen sind, ergibt sich durch diese Wochenrückschau die Möglichkeit der besseren gegenseitigen Wahrnehmung, der Klärung eventuell offener Fragen und Probleme.
Am Sonntag werden Frühstück und Mittagessen um 11.00 Uhr zu einer Mahlzeit, dem "Brunch", zusammengezogen. Auch hier hängt der weitere Tagesablauf von den geplanten Freizeitaktivitäten ab. Obligatorisch ist hier die Wochenvorschau, dort werden die Dienste verteilt, die kommende Woche mit ihren Besonderheiten wird besprochen. Zu der Wochenvorschau gehören auch das Fassen von Vorsätzen auf der Handlungsebene und ihre Reflexion. Die Patienten nehmen sich vor, etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen und reflektieren dann, ob es ihnen gelungen ist oder nicht, und wenn es nicht gelang, so schaut man zusammen hin, warum es nicht gelungen ist und was hilfreich sein kann, um ein Gelingen zu erreichen. Reflexions- und Antizipationsarbeit werden hier verbunden und planvolles Handeln kann erlebt und geübt werden.
Da wir der Gruppendynamik und den Gruppenprozessen großen Wert beimessen, kann sich der Tagesablauf entsprechend den Gruppenprozessen auch einmal eine gewisse Zeit anders gestalten, sofern dies der Entwicklung unserer Patienten zugute kommt.